Bericht: Herbstseminar in Hirschluch

Hirschluch 8.-10.10.2021, Seminar mit Rudi Pahnke

Das Herbstseminar war in diesem Jahr der Geschichte von der Sintflut und dem Gilgamesch-Epos gewidmet. So hatte es die geworfene Münze am Ende des „Frühjahrs-Seminars“, das erst Ende Juni hatte stattfinden können, entschieden. Das sommerliche Treffen war geprägt von Dankbarkeit und Freude, nach der langen und aufreibenden Corona-Pause endlich wieder beieinander sein zu können. Nun im Herbst schien es uns, als seien wir gerade erst auseinandergegangen. Die meisten Menschen, Hirschluch, das trotz mancher Mühen liebgewonnene „Haus der Stille“ und die täglichen Abläufe waren vertraut, notwendige Aufgaben verteilten sich wie von selbst. Erfreulich, dass auch wieder neue Teilnehmerinnen zu der bestehenden Gruppe fanden und noch erfreulicher, dass sie im Anschluss äußerten, gerne wieder zu kommen.Der Freitagabend begann mit einem Gespräch über die Frage, die Rudi Pahnke in die Runde stellte: „Wann fühle ich mich drinnen, wann fühle ich mich draußen?“ Fremd sein in der eigenen Herkunftsfamilie, vertraut sein mit Menschen aus der Fremde, in der Natur, im Inneren – ein facettenreiches sehr persönliches Gespräch entspann sich da. Auch wer nicht selber sprechen mochte, trug mit offenen Ohren und Herzem zum Ganzen bei. Am Samstag tauchten wir dann zunächst in das Gilgamesch-Epos ein. Rudi erzählte uns diese ganze lange Geschichte: Von der Liebe zwischen den ungleichen Freunden Gilgamesch und Enkidu, die erst nach einem schweren Kampf zueinander finden und Abenteuer mit einander bestehen, vom Erkranken Enkidus und dessen Tod durch einen göttlichen Fluch, von Gilgameschs Trauer um den geliebten Freund. Von dessen langer Wanderschaft, dem Ziel, die Unsterblichkeit zu erlangen und der Erkenntnis, diese nur in einem überdauernden Lebenswerk verwirklichen zu können. Göttinen und Götter verfolgen eigene Absichten, sind aber nicht allmächtig. Die vielfältigen Erzählungen über den sagenumwobenen König Gilgamesch, der um 2600 v.Chr. in der Stadt Uruk im heutigen Irak regiert hatte, waren in der Folgezeit im gesamten Nahen Osten verbreitet. Aus dem 12.Jahrhundert v.Chr. stammen 12 Tafeln mit Keilschrift, auf denen das Gilgamesch-Epos überliefert ist. Es beeindruckt, wie anschaulich und nahegehend die Höhen und Tiefen des Seelenlebens schon vor über 3000 Jahren beschrieben wurden! Und dann taucht da eine Sintflut-Geschichte auf, die in vielen Details der vertrauten biblischen Geschichte von Noah, der Arche und der Sintflut gleicht. Daran wird deutlich, dass auch beim Niederschreiben der biblischen Geschichten auf das damals verbreitete teils mündlich, teils schriftlich überlieferte literarische Erbe zurückgegriffen wurde. Dies wirft einen neuen Blick auf die Arche-Noah-Geschichte. Was ist hier anders, wie geht dieser „unser“ eine Gott mit den Menschen um…? Mit geschärften Sinnen befassten wir uns im Anschluss mit den biblischen Texten. Als Abrundung sahen wir am Samstagabend eine Dokumentation über das Gilgamesch-Epos und seine archäologischen und historischen Hintergründe – manche Zusammenhänge wurden so nochmal klarer.
Am Sonntag ist es immer wieder ein kleines Wunder, wie innerhalb einer guten Stunde in Kleingruppen der Werkstattstattgottesdienst vorbereitet wird. Von der „Regiegruppe“ geleitet, fügen sich dann Lieder, Gebete, Lesungen und auslegendes Gespräch zu einem Ganzen zusammen. Im Anschluss nochmal leckeres Mittagessen inklusive Fürst-Pückler-Eis, Aufräumen, zeitgenauer Aufbruch für die Bahnfahrer, ruhigerer Ausklang für die, die keine Eile haben. Wir danken allen Teilnehmenden, wie reich und vielfältig die Begegnung in der siebzehnköpfigen Gruppe wieder war. Jede und jeder trägt auf ihre oder seine Weise dazu bei, dass trotz strammen Programms und mancher Mühen alle bei der Abreise innerlich gestärkt und erfrischt wirken. Vielen Dank!

Baschka